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Das "Transformation Update" des Wuppertal Instituts
Liebe Leser*innen,

die alte, regelbasierte Weltordnung ist Vergangenheit – das müssen wir akzeptieren. Diese düstere Einschätzung aus der vielbeachteten Rede des kanadischen Premierministers Mark Carney in Davos mag zunächst entmutigend klingen. Aber der Schluss, den Carney daraus zieht, eröffnet Handlungsspielräume. Er skizziert einen neuen Ansatz, bei dem die sogenannten Mittelmächte, wie Kanada und Europa, diese geopolitische Zäsur als Basis nutzen, um etwas Besseres, Stärkeres und Gerechteres aufzubauen: eine neue Ordnung, basierend auf geteilten Werten wie den Menschenrechten, nachhaltiger Entwicklung und Solidarität.

Doch nicht nur auf globaler Ebene steht die liberale Demokratie unter Druck, sondern auch bei uns in Deutschland – und mit ihr der Klimaschutz: Begriffe wie "Ökodiktatur", "Heiz-Hammer" oder "grüne Eliten" prägen den öffentlichen Diskurs zunehmend und stellen Klimaschutz als Bedrohung individueller Freiheiten dar. Wie solche Narrative entstehen, wer sie verbreitet, wie sie die öffentliche Wahrnehmung des Klimawandels beeinflussen – und vor allem, wie wir sinnvoll damit umgehen können und welche Rolle die Wissenschaft hier spielt – darum ging es Anfang Januar bei "Demokratie unter Druck Vol. 2: Rechte Narrative – die Rolle der Medien im Klimadiskurs". Das gesamte Event ist auf Youtube abrufbar, ebenso wie die drei Impulsvorträge der geladenen Expert*innen:

  • Dr. Hauke Dannemann von der Goethe-Universität Frankfurt sprach ĂĽber die Entstehung rechter Narrative, völkisch geprägte Deutungsmuster in der Umwelt- und Klimapolitik und darĂĽber, wie autoritäre Akteur*innen demokratische Leitbilder unterwandern
  • Florian Teller von der Fachstelle Radikalisierungsprävention und Engagement im Naturschutz (FARN) ging der Frage nach, wie rechte Akteur*innen den Natur- und Umweltschutz ideologisch instrumentalisieren
  • Louisa Pröschel von der Universität Hamburg referierte zu Debatten in den sozialen Medien und analysierte, inwieweit sich hier ein Kulturkampf abzeichnet

In eine ähnliche Kerbe schlägt auch das Impulspapier "Widerstandsfähigkeit stärken: Was Wissenschaftskommunikation Verunsicherung und Bedrohung entgegensetzen kann": Beim Siggener Kreis 2025 haben Forschende und Expert*innen analysiert, wie sich das Vertrauen in die Wissenschaft wandelt, warum skeptische Stimmen immer stärker den Diskurs bestimmen und wie Forschende und Wissenschaftskommunikator*innen damit umgehen können. 

Was also tun bei all dem Gegenwind, den es aktuell für die Umsetzung der dringend notwendigen Transformationsprozesse gibt? Wir am Wuppertal Institut sind überzeugt: Wir müssen die Menschen mitnehmen. Wir müssen deutlicher herausarbeiten, wo der gesellschaftliche, aber auch der direkte oder indirekte private Nutzen von Veränderungen liegt. Dazu verbinden wir unsere evidenzbasierte Forschung konsequent mit sozioökonomischen Fragen und der Lebenswirklichkeit der Menschen – etwa im Gutachten "Perspektiven für eine Weiterentwicklung der Grundversorgung mit Strom und Gas", das wir im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverband e. V. erstellt haben, oder dem Artikel "Faire Warmmieten sind machbar: Wärmewende ohne soziale Schieflage", der Anfang des Monats in der Fachzeitschrift "politische ökologie" erschienen ist.

Die soziale Frage stellt sich jedoch nicht nur im eigenen Heizungskeller oder beim Blick auf die Stromrechnung, sondern auch in unseren Städten und Gemeinden. Das zeigt sich exemplarisch in der Wuppertaler Studienarbeit "Lokale Umweltbelastung und Armutssegregation: eine räumliche Analyse in Bochum". Und mit der Studie "Typisierung von Versorgungsaufgaben – Fallstudie im Rheinischen Revier" zeigen unsere Forschenden, wie die Umstellung auf eine treibhausgasneutrale Energieversorgung auf regionaler Ebene funktioniert – und wie sich dabei Synergien erkennen und Konflikte vermeiden lassen.

Doch Konflikte sind nicht nur sozialer Natur, sie können auch zwischen verschiedenen Nachhaltigkeitszielen auftreten, etwa wenn der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum im Widerspruch zu Flächen-, Klima- und Ressourcenschutz steht. Ansätze zur Lösung dieser Konflikte liefert der Wuppertal Report "Triple I: Drei Integrationsherausforderungen auf dem Weg zur klimaneutralen Stadt von morgen". Womit wir wieder bei Carneys Ansatz wären: Wir können die Zäsuren der Nachhaltigkeitstransformation als Basis nutzen, um etwas Besseres, Stärkeres und Gerechteres aufzubauen. Nämlich einen nachhaltigen und sozial gerechten Ansatz, der auf geteilten Werten basiert, Umweltschutz mit Resilienz Wettbewerbsfähigkeit verbindet – und die Menschen mitnimmt, indem er die soziale Frage konsequent mitdenkt. Immer.

Viel SpaĂź beim Lesen wĂĽnscht
Christian Kensbock
 
Rubrik: Schlaglichter & Aktuelles
 
SOZIAHR-Projektstart: Lehren aus der Ahrtalflut

Extremwetterereignisse treten infolge des Klimawandels immer häufiger auf. Deshalb ist es entscheidend, aus den Erfahrungen der Flutkatastrophe im Ahrtal im Juli 2021 zu lernen. Im Projekt SOZIAHR untersuchen Dr. Steven März, Constanze Schmidt und Lynn Verheyen vom Wuppertal Institut, wie rechtliche, politische und soziale Strukturen in Krisensituationen funktionieren – und wo Verbesserungen möglich sind.

mehr zum Forschungsprojekt SOZIAHR
 
Rechte Narrative – die Rolle der Medien im Klimadiskurs

Am 22. Januar 2026 fand zum zweiten Mal die vom Wuppertal Institut organisierte Veranstaltung "Demokratie unter Druck" statt. Thema war der Einfluss rechter Narrative auf die gesellschaftliche Transformation. Nach einer Begrüßung durch Prof. Dr. Birgitta Wolff, Rektorin der Bergischen Universität Wuppertal, und Prof. Dr.-Ing. Manfred Fischedick, Präsident und wissenschaftlicher Geschäftsführer des Wuppertal Instituts, folgten drei Impulsvorträge geladener Expert*innen sowie eine Podiumsdiskussion.

zur Aufzeichnung (Youtube)
 
Wie widerstandsfähig ist die Wissenschaftskommunikation?

Auf der jährlichen Tagung des Siggener Kreises im Oktober 2025 diskutierten Exper*innen über die Resilienz der Wissenschaftskommunikation in Zeiten zunehmender Krisen – und die Frage, wie Forschende und Kommunikator*innen auf mögliche Angriffe auf die Wissenschaftsfreiheit reagieren können. Aus der gemeinsamen Analyse leiteten sie konkrete Handlungsstrategien ab und veröffentlichten sie in einem Impulspapier. Vom Wuppertal Institut dabei: Jonas Zerweck, Referent digitale Kommunikation.

zum Impulspapier
 
Prevent Waste Alliance: Henning Wilts erneut in Steering Committee gewählt

Mit der Wiederwahl von Prof. Dr. Henning Wilts, Leiter der Abteilung Kreislaufwirtschaft am Wuppertal Institut, ins Steering Commitee der Prevent Waste Alliance bestätigt das internationale Netzwerk das Vertrauen in Wilts' Expertise und würdigt sein langjähriges Engagement für Abfallvermeidung und die Transformation zur Kreislaufwirtschaft.

zur News
 
Rubrik: Klimaschutz & Klimaanpassung
 
Was die COP30-Ergebnisse fĂĽr den internationalen Kohlenstoffmarkt bedeuten

In der Carbon Mechanisms Review-Spezialausgabe zur COP30 beleuchten fünf führende Carbon-Market Expert*innen die Bedeutung der UN-Klimakonferenz in Belém für die weitere Entwicklung der internationalen Kohlenstoffmärkte. Nicolas Kreibich vom Wuppertal Institut befasst sich in seinem Beitrag mit den Implikationen für den freiwilligen Kohlenstoffmarkt.

zur COP30-Spezialausgabe
 
"Klima und Vulnerabilität" bei Springer Nature erschienen

Klimaveränderungen, Umweltfaktoren und menschliche Gesundheit stehen in komplexen Wechselwirkungen zueinander. Das Fachbuch "Klima und Vulnerabilität" beleuchtet diese Wechselwirkungen auf verschiedenen Ebenen – und liefert praxisorientierte Lösungsansätze. Constanze Schmidt vom Wuppertal Institut hat das Kapitel "Die drei Umweltkrisen und ihre Bewältigung durch EcoHealth und naturbasierte Lösungen" beigesteuert.

zum Buch
 
Rubrik: Energiewende gestalten
 
Handbuch Kreislaufwirtschaft im Linde Verlag erschienen

Das Handbuch vermittelt Kreislaufwirtschaft von den theoretischen Grundlagen bis hin zur Umsetzung im Unternehmen – und vermittelt praxisnah die Chancen, Risiken und Erfolgsfaktoren zirkulärer Geschäftsmodelle. Prof. Dr. Henning Wilts und Kevin Leske vom Wuppertal Institut haben das Kapitel "Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie(n) der EU-Mitgliedstaaten im Vergleich" beigesteuert.

zum Handbuch Kreislaufwirtschaft
 
Rubrik: Energiewende gestalten
 
Wärmewende ohne soziale Schieflage: Faire Warmmieten sind machbar

Wer wenig verdient, wohnt meist in schlecht gedämmten Wohnungen und hat überproportional hohe Heizkosten, schreiben Birte Schnurr, Stefan Thomas und Oliver Wagner vom Wuppertal Institut in ihrem Beitrag in der Fachzeitschrift "politische Ökologie". Sie stellen die sozialen Auswirkungen der Wärmewende auf einkommensschwache Mieter*innen dar – und machen konkrete Vorschläge zur sozialverträglichen Gestaltung der notwendigen Sanierungen.

zum Artikel
 
Zentral, dezentral oder industriell: Infrastrukturen der Gemeinden von morgen

Treibhausgasneutrale Energieversorgung ist eine Herausforderung, für Unternehmen wie für Regionen: Besonders die Wahl der Technologien ist komplex und hängt stark von lokalen Gegebenheiten ab. Eine neue Typisierungsmethode ermöglicht nun entsprechende Analysen regionaler Besonderheiten. Maximilian Blum und Dr.-Ing. Karin Arnold vom Wuppertal Institut haben die Typisierung beispielhaft an Gemeinden im Rheinischen Revier durchgeführt und die Ergebnisse in einer Fallstudie veröffentlicht.

zur Fallstudie
 
Energie-Grundversorgung: Mehr Schutz vor hohen Preisen

Viele Haushalte in Deutschland verbleiben trotz hoher Kosten in der gesetzlich geregelten Strom- oder Gas-Grundversorgung. Oliver Wagner und Dr. Vita Zimmermann vom Wuppertal Institut haben im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. nun ein Gutachten erstellt, das sowohl die GrĂĽnde beleuchtet als auch kurz- und mittelfristige Reformoptionen aufzeigt.

zum Gutachten
 
Rubrik: Industrietransformation
 
Warum grĂĽnes CO2 fĂĽr die Industrie (noch) keine Option ist

In Produkten wie Kunststoffen, Medikamenten oder Düngemitteln ist Kohlenstoff unverzichtbar. Klimaneutrales CO2 könnte fossile Kohlenstoff-Quellen ersetzen. In einem nun in "et – Energiewirtschaftliche Tagesfragen" erschienenen Artikel zeigen Christoph Zeiss, Alexander Scholz und Dr.-Ing. Karin Arnold vom Wuppertal Institut, welche Potenziale grünes CO2 bietet, warnen aber auch vor überzogenen Erwartungen.

zum Artikel
 
Rubrik: Städte im Wandel
 
Wachstumsdruck versus Nachhaltigkeit: Studie erschienen

Obwohl die Bundesregierung den Flächenverbrauch bis 2050 auf Netto-Null reduzieren will, versiegeln Kommunen weiterhin enorme Flächen. In einer nun in "Frontiers in Sustainability" erschienenen Studie untersuchen Bettina Bahn-Walkowiak, Oliver Wagner und Carolina Krome vom Wuppertal Institut den Zusammenhang zwischen Kommunalfinanzen, Stadtentwicklung und Nachhaltigkeit, mit Schwerpunkt auf dem Potenzial von Kreislaufwirtschaft zur Begrenzung des Flächenverbrauchs.

zur Studie
 
Lösungsansätze für urbane Entwicklungsprobleme

Drei zentrale Integrationsherausforderungen von Städten auf dem Weg zur Klimaneutralität – inklusive Lösungsansätze – stellen Anja Bierwirth, Fiona Bunge, Tim Dünnwald und Jan Wortmann vom Wuppertal Institut im neuesten Wuppertal Report vor: Die vertikale Integration der Nachhaltigkeitsziele, die horizontale Integration innerhalb der Kommunen und die sektorale Integration zur Nutzung von Synergien.

zum Wuppertal Report
 
Lokale Umweltbelastungen und räumliche Verteilung von Wohlstand

Franziska Pennekamp untersucht in ihrer Wuppertaler Studienarbeit am Beispiel von Bochum, ob Umweltfaktoren die Armutssegregation beeinflussen, also die räumliche Trennung von Menschen mit unterschiedlichen Einkommen innerhalb einer Stadt. Die Untersuchung zeigt: Umweltfaktoren stellen ein eigenständiges Risiko für Armutssegregation dar – und sollten dementsprechend bei der Stadtentwicklung berücksichtigt werden.

zur Wuppertaler Studienarbeit
 
Rubrik: Zukunftswissen.fm Podcast
 
Im Podcast: Warum Moore entscheidend fĂĽrs Klima sind

In dieser Folge spricht Moderator Jonas Zerweck mit Dr. John Couwenberg von der Universität Greifswald und Constanze Schmidt vom Wuppertal Institut darüber, wie Moore Treibhausgase aus der Atmosphäre binden, warum entwässerte Moorflächen enorme Emissionen verursachen – und welche Potenziale in der Wiedervernässung stecken. Es um Kohlenstoffkreisläufe, Fragen der Landnutzung, der Wasserverfügbarkeit und der langfristigen Klimaanpassung.

zum Podcast
 
Rubrik: Jobs & Karriere
 
Leiter*in (w/m/d) des Forschungsbereichs Zirkuläre Systeme
  • in der Abteilung Kreislaufwirtschaft
  • am Standort Wuppertal
  • Bewerbungsfrist: 8. Februar
zur Stellenbeschreibung
 
Rubrik:  Veranstaltungstipps
 

2. Februar in MĂĽlheim an der Ruhr

GrĂĽner Tag 2026: Initiativen. Projekte. Best Practice.

Beim regionalen Vernetzungstreffen "Grüner Tag 2026" diskutieren Akteur*innen aus den Stadtgesellschaften von Duisburg und Mülheim an der Ruhr, wie Kommunen für ein nachhaltiges Zusammenleben sorgen können. Michaela Roelfes und Ulrich Jansen vom Wuppertal Institut leiten zwei Workshops: zur nachhaltigen Stadtplanung und zur Mobilitätswende. Die Veranstaltung richtet sich an alle Interessierte aus Verwaltung, Stadtplanung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft.

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3. bis 5. Februar in Rom, Italien

Zero Carbon Industry 2026

Die Konferenz Zero Carbon Industry 2026 steht unter dem Motto "Efficiency, Resources, Competitiveness" und richtet sich an alle, die sich mit Dekarbonisierung und Energieeffizienz in der Industrie beschäftigen – Akteur*innen aus Wirtschaft, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Politik. In rund 90 Fachvorträgen beleuchten Expert*innen die Themenblöcke Wettbewerbsfähigkeit, Dekarbonisierung, Energiesicherheit und Ressourceneffizienz. Forschende des Wuppertal Instituts sind mit acht Vorträgen vertreten.

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06. Februar in Wuppertal

Manfred Fischedick im "Portrait"

Die Gemeinde Cronenberg-Küllenhahn organisiert die Veranstaltungsreihe "Portrait" – und lädt zu jedem Termin bedeutende Persönlichkeiten aus und um Wuppertal ein. Am 6. Februar stellt Prof. Dr.-Ing. Manfred Fischedick, Präsident und wissenschaftlicher Geschäftsführer des Wuppertal Instituts, sich und seine Arbeit am Institut vor.

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25. Februar in Hannover

Earth for All Salon Hannover

Der Earth for All Salon Hannover findet im Rahmen der laufenden Ausstellung "Circular Design" im Museum August Kestner statt – und legt den Fokus dementsprechend auf Kreislaufwirtschaft und zirkuläres Design. Prof. Dr. Peter Hennicke und Jacqueline Klingen vom Wuppertal Institut, zwei der Autor*innen des Buchs "Earth for All Deutschland", übernehmen die thematische Einführung.

zum Earth for All Salon
 
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Wuppertal Institut fĂĽr Klima, Umwelt, Energie gGmbH

ViSdP: Prof. Dr.-Ing. Manfred Fischedick, Präsident und wissenschaftlicher Geschäftsführer
Kontakt: Christin Hasken, Leitung Kommunikation
Döppersberg 19 | 42103 Wuppertal | Tel. +49 202 2492-187
E-Mail: pr@wupperinst.org | Website: wupperinst.org

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