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Das "Transformation Update" des Wuppertal Instituts
Liebe Leser*innen,

es ist eine Erzählung von zwei Geschwindigkeiten, zwei Philosophien – und einer Politik mit unterschiedlichen Ansätzen und Herangehensweisen. Auf der einen Seite die Bundesregierung, die diese Woche mit den Eckpunkten für das Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG) teils deutliche Kritik hervorgerufen hat: Die Frankfurter Rundschau etwa titelt "Geschenk an die fossile Lobby", der SPIEGEL "Deutschland beerdigt seine Klimaziele und treibt Verbraucher in eine Kostenfalle". Sogar der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), in dem alle großen Energieversorger vertreten sind, teilt mit, die Novelle berge die Gefahr "von Kostensteigerungen und Lock-In-Effekten" und dass "die Klimaziele im Gebäudesektor nicht erreicht werden". Auch Dr. Stefan Thomas, Leiter der Abteilung Energie-, Verkehrs- und Klimapolitik, kritisiert die Novelle in einem Statement – und warum die in den Eckpunkten enthaltene Grüngas-Quote weder für den Klimaschutz noch für die Industrie zielführend ist, haben Frank Merten und Dr.-Ing. Karin Arnold bereits Ende vergangenen Jahres in einer Studie herausgearbeitet.

Wie in vielen Ländern weicht die regionale Ebene von der des Bundes ab, so ist es auch in Deutschland. Denn der andere Ansatz der Politik zeigt sich beispielsweise bei der Landesregierung Nordrhein-Westfalen: Die schwarz-grüne Koalition setzt seit 2022 auf einen im Ziel klaren, zugleich aber pragmatischen Kurs, der die aktuellen Transformationsherausforderungen als Chancen begreift und Klima- und Umweltschutz in wirtschaftliche Potenziale ummünzt.

Wie solch ein pragmatischer Kurs konkret aussehen kann – und welche weiteren Potenziale darin stecken – zeigen gleich mehrere unserer Studien und Projekte mit NRW-Fokus aus diesem Monat: Das Diskussionspapier "Wasserstoff auf Kurs bringen – Produktionskosten senken und Nachfrage anreizen" der Initiative IN4climate.NRW umreiĂźt auf knapp 40 Seiten die aktuellen Entwicklungen entlang der gesamten Wasserstoff-Wertschöpfungskette, inklusive konkreter Handlungsempfehlungen fĂĽr die nächsten Schritte. Konkrete Hilfen zur Umsetzung von Strukturwandel- und Transformationsprojekten liefert auch das Projekt IN4climate.RR: Es bietet Unternehmen im Rheinischen Revier eine direkte Anlaufstelle zur Umstellung ihrer Energieversorgung, Prozesse und Rohstoffquellen, unterstĂĽtzt mit Know-how, vernetzt Akteur*innen, hilft bei der ErschlieĂźung neuer Wertschöpfungspotenziale oder Geschäftsmodelle und gibt Impulse in Richtung Landespolitik.

Auch mit dem Diskussionspapier "Kohlenstoff – aber nachhaltig!" zeigen wir gemeinsam mit Forschenden von NRW.Energy4Climate und Fraunhofer UMSICHT, mit welchen Strategien das Ziel der Klimaneutralität bis 2045 unter Erhalt der industriellen Wettbewerbsfähigkeit erreicht werden kann. Und im Projekt VISE4KMU entwickeln wir Prototypen für eine Smart-Meter-Software und ein Smart-Meter-Ökosystem, damit Unternehmen die vollen Potenziale des Smart-Meter-Rollouts abrufen können. Ebenfalls zukunftsweisend in NRW ist das Projekt Circular.Care.Solingen: Deutschlandweit fallen pro Krankenhausbett täglich über sechs Kilo Abfall an. In Summe sind das über 400.000 Tonnen pro Jahr. Bei mehr als 90 Prozent dieser Abfälle bestehen jedoch aus infektionspräventiver Sicht keine besonderen Entsorgungsanforderungen, sie können theoretisch wieder in den Kreislauf zurückgebracht werden. Wie sich diese Potenziale für die Kreislaufwirtschaft im Gesundheitssektor abrufen lassen, ermitteln unsere Forschenden nun zusammen mit dem Klinikum Solingen.

Viel SpaĂź beim Lesen wĂĽnscht
Christian Kensbock
 
Rubrik: Schlaglichter & Aktuelles
 
Statement zu den Eckpunkten für das geplante Gebäudemodernisierungsgesetz

Die Bundesregierung hat die Eckpunkte des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GMG) vorgestellt. In seinem Statement fasst Dr. Stefan Thomas, Leiter der Abteilung Energie-, Verkehrs- und Klimapolitik, die wichtigsten Änderungen zusammen – und bewertet die Eckpunkte des GMG im Hinblick auf Klimaschutzwirkung, Kosteneffizienz, Verteilungsaspekte sowie rechtliche Aspekte.

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Wuppertal Institut stärkt Forschung zur Industrie- und Energiesystem-Transformation

Zum 1. Februar hat Prof. Dr.-Ing. Clemens Rohde die Leitung der Abteilung Zukünftige Energie- und Industriesysteme übernommen. Gleichzeitig wurde er im Rahmen des Jülicher Modells als Professor an die Bergische Universität Wuppertal (BUW) berufen. Damit bauen beide Institutionen ihre strategische Partnerschaft aus und stärken die Zusammenarbeit bei anwendungsorientierter Forschung, universitärer Lehre und praxisnaher Politikberatung.

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Reallabor-Konferenz 2026: Call for Abstracts offen

Wie wirken Reallabore und was braucht es, um sie zukunftsfähig zu gestalten? Auf der wissenschaftlichen Konferenz "Zurück in die Zukunft? Reallabore in Zeiten disruptiven Wandels" diskutieren Akteur*innen aus Forschung, Praxis, Politik und Gesellschaft über diese Frage. Ab sofort können Abstracts für Workshops, Vorträge, Lightning Talks und weitere Formate eingereicht werden: für Workshops bis zum 15. März, für alle weiteren Formate bis zum 19. April.

zum Call for Abstracts
 
Rubrik: Klimaschutz & Klimaanpassung
 
Erste Anwendungen des Sustainable Development-Tools von Artikel 6.4 des Ăśbereinkommens von Paris

Das Sustainable Development-Tool des Pariser Klimaabkommens soll sicherstellen, dass Emissionsminderungs-Aktivitäten unter Artikel 6.4 zu nachhaltiger Entwicklung beitragen. Christoph Arens und Juliane Schell vom Wuppertal Institut und Karen Holm Olsen vom UNEP Copenhagen Climate Center liefern mit ihrem Bericht "Piloting the A6.4 Sustainable Development Tool – Lessons From Early Use" konkrete Erkenntnisse aus ersten Anwendungen des SD-Tools.

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Rubrik: Energiewende gestalten
 
Sichere Stromversorgung ohne neue Grundlastkraftwerke möglich (Symbolbild)
Sichere Stromversorgung in Europa auch ohne neue Grundlastkraftwerke möglich

In einer Analyse der Initiative "Energiesysteme der Zukunft" (ESYS) zeigen 21 Forschende, darunter Prof. Dr.-Ing. Manfred Fischedick, Präsident des Wuppertal Instituts: Ein klimaneutrales, versorgungssicheres und wirtschaftliches Stromsystem in Europa ist auch ohne neue Grundlastkraftwerke realisierbar – wenn erneuerbare Energien mit Flexibilitätsoptionen, Speichertechnologien und einem gut vernetzten Strommarkt kombiniert werden.

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Smart-Meter-Rollout In Nordrhein-Westfalen: Projekt VISE4KMU soll Marktdurchdringung bei KMU steigern

Smart Meter sind zentral für die Digitalisierung und Flexibilisierung des zunehmend erneuerbaren Stromsystems – doch der Einbau allein reicht nicht, um ihre Vorteile voll auszuschöpfen. Deshalb entwickelt das VISE4KMU-Projektkonsortium eine prototypische Smart-Meter-Software, mit der KMU ihre Stromverbräuche visualisieren und analysieren können.

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Rubrik: Industrietransformation
 
Wasserstoffwirtschaft in Nordrhein-Westfalen (Symbolbild)
Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft in Nordrhein-Westfalen

In NRW beginnt der Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft: Große Elektrolyseprojekte laufen an, die Wasserstoff-Infrastruktur befindet sich im Aufbau, internationale Importpartnerschaften entstehen und erste Unternehmen stellen ihre Prozesse um. Gleichzeitig ist jetzt entscheidend, die Umsetzung des Wasserstoffhochlaufs weiter voranzubringen. Wie das geht, zeigt das aktuelle Diskussionspapier "Wasserstoff auf Kurs bringen – Produktionskosten senken und Nachfrage anreizen".

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Industrietransformation im Rheinischen Revier: IN4climate.RR bietet Unternehmen kostenfreie UnterstĂĽtzung

Industrieunternehmen im Rheinischen Revier auf dem Weg zur Klimaneutralität gezielt unterstützen – das ist das Ziel von IN4climate.RR. Das im Jahr 2022 gestartete Projekt der Landesgesellschaft NRW.Energy4Climate und des Wuppertal Instituts hat nun bis Ende 2029 eine verlängerte Förderzusage von Bund und Land erhalten. Der Schwerpunkt der zweiten Förderphase liegt auf Beratung und konkreten Hilfen für Unternehmen bei der Umsetzung von Transformationsprojekten.

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Das Potenzial nachhaltiger Kohlenstoffquellen in NRW

Klassische Kohlenstoffquellen sind fossil, endlich und klimaschädlich – aber Kohlenstoff ist zum Teil unersetzlich, etwa in der chemischen Industrie. Im Diskussionspapier "Kohlenstoff – aber nachhaltig!" analysieren Dr. Christoph Sievering und Christoph Zeiss zusammen mit Forschenden von NRW.Energy4Climate und Fraunhofer UMSICHT, ob nachhaltige Kohlenstoffquellen – etwa Kunststoffabfälle, Biomasse und CO2 – künftig den industriellen Bedarf in NRW decken können. Ihr Fazit: Nicht nur werden alle verfügbaren Quellen benötigt, sondern auch klare politische Rahmenbedingungen und Infrastrukturperspektiven.

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Rubrik: Resourcen & Kreislaufwirtschaft
 
Ressourcen sparen im Klinikalltag in Solingen

Das Gesundheitswesen ist durch hohen Ressourcenverbrauch, große Abfallmengen und erhebliche Treibhausgasemissionen geprägt: Allein im Klinikum Solingen fallen jährlich rund 1.000 Tonnen Abfall an. Das Projekt "Circular.Care.Solingen" zielt darauf ab, die Abfallmenge, den Ressourcen- und Energieverbrauch sowie die CO2-Emission zu senken. Gleichzeitig sollen Kosten für Einkauf und Entsorgung gesenkt werden, etwa durch Kooperationen mit Entsorgungsunternehmen.

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Rubrik:  Veranstaltungstipps
 

3. März in Dortmund

Talk "Die 4. Halbzeit": FuĂźball und Klimagerechtigkeit

Profifußball ist energieintensiv. Wie lässt sich das mit Klimaschutz in Einklang bringen? Darüber diskutieren Dr. Markus Krebber von der RWE AG, Carsten Cramer von Borussia Dortmund und Dr. Imke Schmidt vom Wuppertal Institut beim 21-Talk "Die 4. Halbzeit" im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund. Die Moderation übernimmt Gregor Schnittker, Moderator des aktuellen Sportstudios.

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16. März, online

Kreislaufwirtschaft in der Entwicklungszusammenarbeit und ihre soziale Dimension

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit (EZ) fördert den Aufbau der Kreislaufwirtschaft in Partnerländern. Doch wie erfolgreich sind diese Bestrebungen – und was ist zukünftig geplant? Auf der Online-Veranstaltung geben vier Expert*innen Inputs zu diesem Thema. Burcu Gözet vom Wuppertal Institut hält einen Impulsvortrag über kreislaufwirtschaftliche Herausforderungen und Potenziale am Beispiel des Textil-Sektors in Ghana.

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18. und 19. März in Essen und online

Handelsblatt Jahrestagung Zukunft Stahl 2026

Die Jahrestagung "Zukunft Stahl 2026" bringt Expert*innen, Politik und zentrale Akteur*innen der Stahlindustrie für einen kritischen, praxisnahen Dialog über strategische Neuausrichtung, technologische Innovation und geopolitische Resilienz zusammen. Prof. Dr.-Ing. Manfred Fischedick, Präsident des Wuppertal Instituts, analysiert in seinem Vortrag "Bestandsaufnahme grüner Stahl: Wo stehen wir?" den Status quo einer klimaneutralen Zukunft der Stahlbranche.

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13. April in DĂĽsseldorf

JRF-Jahresfeier 2026

Mitte April lädt die Johannes-Rau-Forschungsgemeinschaft (JRF) zu ihrer Jahresfeier: Der JRF-Vorstand blickt auf das vergangene Jahr zurück und das JRF-Kuratorium verleiht den Dissertationspreis 2026. Prof. Dr.-Ing. Manfred Fischedick, Präsident des Wuppertal Instituts und wissenschaftlicher Vorstand der JRF, hält einen Impulsvortrag zum Thema "Umsetzung von Energiewende und Klimaschutz – eine multidimensionale Gestaltungsaufgabe". Ein weiteres Highlight der Veranstaltung ist der abschließende Science Slam von Marina Fecke, Senior Researcherin am Wuppertal Institut.

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Wuppertal Institut fĂĽr Klima, Umwelt, Energie gGmbH

ViSdP: Prof. Dr.-Ing. Manfred Fischedick, Präsident und wissenschaftlicher Geschäftsführer
Kontakt: Christin Hasken, Leitung Kommunikation
Döppersberg 19 | 42103 Wuppertal | Tel. +49 202 2492-187
E-Mail: pr@wupperinst.org | Website: wupperinst.org

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