während der Stromsektor beim Umstieg auf erneuerbare Energien deutlich vorankommt, bleiben die Wärme- und die Verkehrswende die Sorgenkinder der Energiewende. Das gilt im Wärmebereich insbesondere für Mehrfamilienhäuser, wo Mieter*innen und Vermieter*innen häufig unterschiedliche Interessen haben. Wer zur Miete wohnt, hat oft kaum Einfluss auf Heizungssysteme oder Gebäudesanierungen. Und diejenigen, die Wohnungen vermieten, müssen nicht für die Heizkosten aufkommen. Dieses Dilemma zu lösen, ist nicht einfach, aber entscheidend dafür, ob die Wärmewende in der Breite gelingt. Mieter*innen sind aber keineswegs machtlos, sie können auch auf andere Weise aktiv zu einem effizienteren Umgang mit Energie beitragen.
Eine aktuelle Untersuchung des Wuppertal Instituts zeigt: Die meisten Mieter*innen wollen sich grundsätzlich einbringen. Digitale Heizenergie-Feedbacks – quasi intelligente Rückmeldungen mit Tipps und Tricks direkt aus dem Heizungskeller – bieten hierfür einen ersten, entscheidenden Zugang. Insbesondere in Mehrfamilienhäusern können solche Feedbacks helfen, das eigene Heizverhalten zu optimieren, so das zentrale Ergebnis des Projekts VISE-I. Richtig gestaltet, können sie nicht nur den Heizenergieverbrauch transparenter machen, sondern durch das eigene steuernde Eingreifen auch das Gefühl von Selbstwirksamkeit stärken. In ihrem In Brief "Heizenergie-Feedback im Mehrfamilienhaus" stellen die Forschenden heraus: Wer erkennt, dass das eigene Handeln direkten Einfluss auf Energieverbrauch und Kosten hat, ist motivierter, Energiesparmaßnahmen umzusetzen. Zugleich wird klar: Ein solches Feedback muss mehr können als bloß Verbrauchsdaten liefern. Es braucht leicht verständliche Infografiken, konkrete Handlungsvorschläge und die Möglichkeit, persönliche Lebenssituationen zu berücksichtigen, wie etwa Schichtarbeit oder längere Abwesenheiten. Daneben sollte die digitale Infrastruktur so schlank wie möglich bleiben, zudem hat Datenschutz oberste Priorität. Beides zusammen schafft Transparenz und Vertrauen bei den Nutzer*innen.
All dies zeigt, dass sich die Wärmewende nicht allein im Heizungskeller entscheidet: Notwendig sind intelligente, gut verständliche Schnittstellen, die Mieter*innen mitnehmen, technisch, kommunikativ und partizipativ. Nun sind Politik, Wohnungswirtschaft und Entwickler*innen gefragt, diese Erkenntnisse umzusetzen – für eine Wärmewende, die nicht nur wirksam ist, sondern auch verständlich und inklusiv. Besonders für diejenigen, die bislang wenig mitgestalten konnten. |