den neuen Projektionsdaten des Umweltbundesamts zufolge übertreffen die meisten Sektoren ihre Klimaschutzziele: Energiewirtschaft, Industrie, Landwirtschaft und Abfallwirtschaft haben ihre Treibhausgasemissionen deutlich stärker reduziert, als im Klimaschutzgesetz vorgeschrieben. Zusammen haben diese vier Sektoren über 300 Millionen Tonnen mehr CO2-Äquivalente eingespart, als gesetzlich vorgeschrieben.
Hört sich gut an? Eigentlich schon. Wenn da nicht noch die beiden Problemsektoren wären: "Verkehr und Gebäude bleiben Sorgenkinder", schreibt das UBA dazu – und die Projektionsdaten zeigen: Die beiden Sektoren machen die Erfolge der anderen zunichte, der Gebäudesektor mit 110 Millionen Tonnen Emissionen zu viel, der Verkehrssektor sogar mit knapp 190 Millionen Tonnen.
Dabei liegen für beide Sektoren wirksame Lösungen auf dem Tisch. Etwa "Tempolimit statt Tankrabatt" für den Verkehrssektor, wie Dr. Sascha Samadi und Prof. Dr.-Ing. Manfred Fischedick in ihrem Statement schreiben: Ein allgemeines Tempolimit würde nicht nur den Erdölverbrauch spürbar reduzieren, es ließe sich auch schnell umsetzen, ohne Belastungen des Bundeshaushalts. Und: Die Mehrheit der Deutschen befürwortet ein Tempolimit. Digitale Chancen für den Verkehrssektor zeigt Paul R. Schneider in seinem Statement "Chance für die Mobilitätswende?" auf: Wenn die Menschen in Deutschland in einer einzigen App alle Mobilitätsoptionen sehen und direkt buchen könnten – von ÖPNV und Bahn über Taxis, Fernbusse und On-Demand-Ridepooling bis hin zu Car- und Bikesharing – würde nicht nur die Mobilität ohne Privatauto einfacher und günstiger werden, auch der Klimaschutz würde profitieren. Und zwar ganz ohne Verbote, langwierige Vorbereitung oder große Investitionen.
Auch für den Gebäudesektor haben unsere Forschenden sinnvolle Lösungen erarbeitet: So haben sie im Horizon-Europe-Projekt Micro-Bio-CHP Biomassevergasung, eine Festoxid-Brennstoffzelle, Photovoltaik und Energiespeicher kombiniert und erprobt. Das Ergebnis: Ein neuartiges, hocheffizientes Energieversorgungssystem auf Basis erneuerbarer Energien, das eine nahezu energieautarke Versorgung von Mehrfamilienhäusern mit Wärme und Strom ermöglichen kann. Und in einem weiteren Statement schreiben Prof. Dr.-Ing. Manfred Fischedick und Dr. Sascha Samadi, wie die geplante Novelle für das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) angepasst werden sollte, um die Dynamik beim Ausbau der Erneuerbaren beizubehalten.
Integrierte Lösungen für gleich beide Problemsektoren liefern wir mit zwei weiteren Studien: Zum einen mit der WWF-Studie "Ressourcenleicht Leben 2045", die unter anderem zeigt, dass kompaktere Wohnflächen und geteilte Mobilität ohne Verzicht auf Lebensqualität machbar sind. Und zum anderen mit der Arbeit "Modelling sufficiency policy. An analysis of energy sufficiency in existing scenarios and policy, and integration into transport and building models", für die Dr. Johannes Thema mit dem Promotionspreis der Europa-Universität Flensburg ausgezeichnet wurde.
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